Digitalisierung im Tischler-Handwerk

Anna Schwirten 18.06.2021

Digitalisierung und Handwerk 4.0 sind keine neuen Begriffe für das Tischler-Handwerk. Hier erfahren Sie anhand von Beispielen aus der Praxis was Digitalisierung für Tischlerei-Betriebe heisst, welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind und welche Trends in Zukunft für Schreiner von Bedeutung sein werden.

Bild: Digitalisierung für Tischler
Projektmanagement mit Handwerker-Software | © mavo / Shutterstock.com

Inhalt

Digitalisierung als Tischler?

Digitalisierung im Tischler-Handwerk dreht sich aktuell hauptsächlich um durchgängige Prozesse durch Vernetzung. Automatisierte Herstellung ist schon länger ein Thema im Tischler-Handwerk. In vielen Werkstätten stehen hoch automatisierte Maschinen, aber oftmals sind diese untereinander noch nicht verbunden. Das Ziel besteht darin möglichst alle Arbeitsschritte miteinander zu vernetzen.

Die Nutzung von CNC-Maschinen in der Fertigung hat sich bereits seit einigen Jahren unter Tischlern etabliert. Durch die Anwendung von Steuerungstechnik können hierbei auch hoch komplexe Formen automatisch hergestellt werden. Auch CAD-Programme (Computer Aided Design) werden im Konstruktionsbereich schon eine ganze Weile eingesetzt. In der letzten Zeit kommt zusätzlich vermehrt CAM (Computer Aided Manufacturing) zum Einsatz. Mittels CAD-Programmen können digitale 2D- und 3D-Konstruktionszeichnungen erstellt und ein Projekt so digital visualisiert werden. Eine angebundene CAM-Lösung kann die Datensätze aus dem CAD dann in entsprechende Arbeitspläne und Handlungsanweisungen für die Fertigung übersetzen.

Viele Tischler haben zurzeit Teile ihrer Produktion digitalisiert und sind auf dem Weg dahin alle Arbeitsschritte, die zur Produktion gehören, zu verbinden. Je mehr Prozesse der Wertschöpfungskette miteinander vernetzt sind, desto mehr Zeit wird eingespart, die für die eigentliche Handwerksarbeit genutzt werden kann. Die Mehrheit der Schreinerei-Betriebe nutzt Handwerker-Software, meistens in den Bereichen der Auftragsabwicklung, Angebotskalkulation und Angebotsplanung, Finanzbuchhaltung, Kundenmanagement, Konstruktion/CAD und Fertigung (Datenanbindung zu CNC-Maschinen).

Bild: Digitalisierung im Tischler-Handwerk
Die Digitalisierung bei Tischlern nimmt Fahrt auf © Samborskyi / Shutterstock.com
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Beispiele für Digitalisierung im Tischler-Handwerk

Um Ihnen einen besseren Einblick zu geben, wie Digitalisierung für Tischlerei-Betriebe in der Praxis aussehen kann, haben wir zwei Beispiele zusammengestellt. In beiden Tischlereien stehen Prozessoptimierung und Datendurchgängigkeit im Mittelpunkt.

Bild: Tablet-Einsatz in der Tischlerei
Das Tablet wird zum ständigen Begleiter © 4Max / shutterstock.com

Tischlerei Freund - digitale Helfer erleichtern den Alltag

Die Tischlerei Freund aus Wedemark in Niedersachsen gehört zu den digitalen Vorreitern im Tischler-Handwerk. Die Geschäftsführung, das Ehepaar Freund, steht neuen Technologien sehr offen gegenüber. In der Werkstatt stehen moderne, automatisierte Maschinen, die über intelligente Software miteinander verbunden sind. Aber nicht nur die Maschinen sind bei der Tischlerei Freund vernetzt, auch die Mitarbeiter.

Alle Mitarbeiter sind mit Tablets ausgestattet und arbeiten mit einer speziellen cloud basierten Handwerker-Software. So kann der einzelne Mitarbeiter vor Ort beim Kunden aber auch in der Werkstatt zu jeder Zeit auf alle produktionsrelevanten Daten wie zum Beispiel Stücklisten, Bilder vom Aufmaß oder Konstruktionszeichnungen zugreifen. Je nachdem welche Zugriffsrechte der jeweilige Mitarbeiter hat, können Änderungen vorgenommen, Projekte neu angelegt oder abgeschlossen werden. So kann jeder Mitarbeiter sich schnell in das jeweilige Projekt einfinden, auch wenn er oder sie nicht von Anfang an dabei war.

Ein weiterer Vorteil der Tischler-Software ist die Zeiteinsparung durch weniger Büroarbeit. Viele Büroaufgaben können vor Ort beim Kunden erledigt oder zumindest vorbereitet werden, sodass weniger Büroarbeitszeit anfällt. Wichtige Informationen wie etwa Materialbestellungen können über die Software direkt ans Büro übermittelt werden. Die Tischlerei Freund nutzt zudem ein digitales Aufgabenboard für die Personal-Einsatzplanung, mit dem Arbeitsaufträge an die Mitarbeiter verteilt werden. Digitalisierung bedeutet für die Freunds außerdem ein qualitativer Internetauftritt und das Aktivsein auf diversen sozialen Medien.

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Quelle: YouTube / BM TV

Möbelbau fit für die Zukunft - Tischlerei Klasmeier

Ein weiteres Positivbeispiel aus dem Tischler-Handwerk stellt die Tischlerei Klasmeier aus Rheda-Wiedenbrück dar. Der moderne Schreinerei-Betrieb ermöglicht seinen Kunden neue Perspektiven durch den Einsatz einer VR-Brille bei der Möbelplanung. Im 3D-Raum können geplante Möbelstücke realistisch dargestellt werden und der Kunde kann so Dimensionen und die Anordnung der Möbel untereinander besser einschätzen.

Auch in der Fertigung ist die Tischlerei Klasmeier mit einem modernen Maschinenpark gut aufgestellt. Zu Beginn der Produktion steht ein automatisches Flächenlager, welches die liegende Plattensäge direkt mit großformatigen Platten bestückt. Mit einer 5-Achs-CNC-Maschine kann die Schreinerei außerdem komplexe Sonderformen anfertigen und ist so in der Lage auch außergewöhnliche Kundenwünsche zu erfüllen.

Neuste Anschaffung der Tischlerei ist eine CAM-Software, mit der Konstruktionen für die Fertigung vorbereitet werden. Ziel ist die nahtlose Verbindung zwischen Konstruktion, Simulation, Programmierung und anschließender Fertigung, die sogenannte CAD/CAM/CNC-Prozesskette.

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Quelle: YouTube / Ligna TV

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Hürden und Chancen der Digitalisierung für Tischler

Digitalisierung im Tischler-Handwerk bietet viele Chancen. Einige davon haben wir in den Praxisbeispielen aufgezeigt. Durch die digitale Vernetzung von Planung, Konstruktion, Programmierung und Fertigung werden Fehlerquellen minimiert, da alles was händisch gemacht wird zwangsläufig eine Fehlerquelle darstellt. Menschliche Fehler führen in der Werkstatt schnell dazu, dass Material kaputt geschnitten wird, Digitalisierung kann dabei helfen, solche Fehler zu vermeiden.

Prinzipiell hilft der Einsatz digitaler Tools und Tischler-Software dabei, Zeit und somit Kosten einzusparen. Durch die durchgängige Verfügbarkeit von Daten wird die Kommunikation einfacher und schneller gestaltet und Schreiner müssen nicht mehr so viel Zeit mit dem Pendeln zwischen Büro und Kunden verbringen. Darüber hinaus ermöglicht das Internet der Dinge die Etablierung neuer Geschäftsmodelle, etwa über die Anbindung eines Online-Shopsystems in Verbindung mit einem 3D-Möbel-Konfigurator.

Auf der anderen Seite stehen viele Handwerker aber auch noch vor großen Hürden, wenn es um Digitalisierung geht. Knappe zeitliche, finanzielle und personelle Ressourcen erschweren besonders kleinen Betrieben den Weg in die Digitalisierung. Die meisten Schreiner haben die Wichtigkeit der Digitalisierung für Ihren Betrieb bereits erkannt, sind aber noch weit von einer Digitalisierungsstrategie entfernt. Das liegt unter anderem daran, dass die Mehrheit der Tischler-Betriebe von externen Dienstleistern abhängig ist, da das notwendige Know-How intern nicht verfügbar ist. Hinzu kommt bei einigen Tischlern die geringe Veränderungsbereitschaft der eigenen Belegschaft.

Ein Großteil der Schreinerei-Betriebe sieht Digitalisierung darüber hinaus immer noch als eher technische Maßnahme und nicht als langfristiges Instrument zur Imagebildung. Neben der Optimierung von Abläufen durch entsprechende Technologien geht es bei Digitalisierung im Handwerk aber immer auch um die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, die Nachwuchsförderung und die Kundenbindung.

Chancen DigitalisierungHürden Digitalisierung
Reduzierung von Fehlerquellen, weniger VerschnittKnappe zeitliche, finanzielle und personelle Ressourcen
ProduktivitätssteigerungFehlendes Know-How/Fehlende Strategie
ZeitersparnisGeringe Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter
Verbesserte KommunikationFalsches Verständnis von Digitalisierung
Kostenersparnis
Neue Geschäftsmodelle sind möglich, z.B. Onlineshop mit 3D-Möbel-Konfigurator
Nachwuchsförderung/Mitarbeitergewinnung

Handwerker-Software muss zum Betrieb passen

Mittlerweile nutzt fast jeder Tischlerei-Betrieb in irgendeiner Form spezielle Branchen-Software. Insbesondere bei den Insellösungen (einzelne Softwareprogramme für verschiedene Funktionen) ist der Markt groß, in der letzten Zeit nehmen aber auch Anbieter ganzheitlicher Lösungen zu. Grundsätzlich ist es schwierig, pauschale Empfehlungen für Softwarelösungen zu tätigen, da die Software immer zum jeweiligen Handwerksbetrieb passen muss. Je nach Größe, Geschäftsmodell und Unternehmensphilosophie können eine All-In-One Lösung oder mehrere kleine Softwareprogramme Sinn machen. Die Digitalisierungs-Ziele können für verschiedene Tischlereien unterschiedlich sein und jeweils andere Maßnahmen erfordern. Wir helfen Ihnen gern dabei die passende Lösung für Ihren Schreinerei-Betrieb zu finden.

Weitere Digitalisierungs-Trends in der Tischlerbranche sind der Einsatz von Online-Konfiguratoren und Online Shops, VR-Brillen, 3D-Druckern und Nesting Technologie. Großes Potential liegt außerdem in der zukünftigen Digitalisierung des Lagers. Generell konzentriert sich die zukünftige Ausrichtung bei der Digitalisierung im Tischler-Handwerk aber auf die digitale Organisation der Prozesskette.

Auch diese Unternehmen setzen auf HERO

Bild: Sonepar Deutschland nutzt die HERO Handwerkersoftware

Sonepar

In Zusammenarbeit mit Sonepar ist die Cloud Software Sonepar HERO entwickelt worden. Speziell fürs Elektrohandwerk inkl. Schnittstelle zu Sonepars Artikelstamm.

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Buderus

Unsere Plattform ermöglicht dem Unternehmen Bosch Thermotechnik GmbH unter der Marke Buderus eine lückenlose Kommunikation über seine Partner, bis hin zu Endkunden.

CKW

CKW

In Kooperation mit der CKW haben wir das Portal energieheld.ch geschaffen. Kunden und Projekte werden dabei unkompliziert mit dem HERO System verwaltet.

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