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PROFESSIONELLE GEBÄUDEREINIGUNG IM WANDEL

Reinigungsroboter – die Zukunft?

Frank Weber  | 19.01.2026  |  Lesezeit: Minuten

Reinigungsroboter sind 2026 schon weit mehr als der typische Staubsaugerroboter für Endverbraucher. Moderne Systeme reinigen heute Glasflächen, Fassaden und komplexe Gebäudestrukturen – und bieten professionellen Gebäudereinigern eine ganze Reihe Vorteile. Welche Technologien sich für den Einsatz beim Kunden wirklich eignen und was Robotik für die Zukunft des Gebäudereiniger-Berufs bedeutet, erfährst du hier.

Bild: Roboter reinigt Haushalt
Dieses Szenario ist noch futuristisch, doch die Realität professioneller Reinigungsrobotik geht 2026 längst über klassische Bodenstaubsauger für Endanwender hinaus.

Was Reinigungsroboter heute leisten können – und was (noch) nicht

Als Profi in der Gebäudereinigungs-Branche weißt du natürlich, dass es längst Technologien gibt, die mehr können als der Staubsaugerroboter für Endverbraucher. Moderne Reinigungsroboter übernehmen inzwischen deutlich komplexere Aufgaben: Sie reinigen Glasflächen, schwer zugängliche Fassaden und sogar vertikale Strukturen.

Trotz der zunehmenden Vielfalt stoßen Reinigungsroboter aber auch 2026 noch an klare Grenzen. Sie arbeiten am zuverlässigsten auf glatten, klar strukturierten Flächen und benötigen stabile Bedingungen. Unebene Fassaden, Starkregen, Wind oder grob strukturierte Außenbereiche erschweren den Einsatz weiterhin. Oft ist zudem menschliche Aufsicht nötig, etwa in großer Höhe oder bei unvorhersehbaren Umgebungsfaktoren wie Windböen. Die Sorge, dass ein humanoider Roboter wie in unserem Titelbild bald den Job von Gebäudereinigerinnen und Gebäudereinigern komplett übernimmt, ist unberechtigt.

Gebäudereinigung in Zahlen

26,3 Milliarden Euro
Jahresumsatz machte die Branche der handwerklichen Gebäudereinigung in 2023 in Deutschland (Quelle: Statista).
696.000 Beschäftigte
waren 2023 in Deutschland als professionelle Gebäudereiniger*in tätig (Quelle: Statistisches Bundesamt).
27,4 % Minijobber
befanden sich 2023 unter den 696.000 Beschäftigten – in absoluten Zahlen 191.000 (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Wann lohnt sich ein Reinigungsroboter für Gebäudereiniger?

Reinigungsroboter bieten professionelle Unterstützung überall dort, wo wiederkehrende, großflächige oder zeitintensive Reinigungsarbeiten anfallen. Besonders in Objekten mit gut zugänglichen, zusammenhängenden Flächen können sie Prozesse optimieren und Reinigungsteams deutlich entlasten – etwa in Büros, Hotels, Supermärkten, Produktions- oder Verwaltungsbereichen. Sie arbeiten autonom, liefern eine gleichbleibende Reinigungsqualität und ermöglichen planbare, dokumentierbare Ergebnisse, was gerade im gewerblichen Umfeld ein wichtiger Vorteil ist. Die Frage, wann sich ein Reinigungsroboter für dich als Gebäudereinigungs-Profi lohnt, lässt sich allerdings nicht pauschal beantworten. Die Wirtschaftlichkeit hängt stark von den jeweiligen Objekten deiner Kunden und ihren Aufträgen ab, nicht etwa von einer fixen Zahl zu reinigender Quadratmeter.

Fakt ist: Die Anschaffungskosten für einen Reinigungsroboter liegen im professionellen Bereich typischerweise im vier- bis fünfstelligen Bereich. Die tatsächliche Rentabilität maßgeblich hängt davon ab, dass die Auftragslage den Roboter angemessen auslastet und seine Arbeit gut in bestehende Abläufe integriert werden kann. Das vorausgesetzt, kann sich für viele Betriebe die Investition schnell lohnen – insbesondere angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels und des Bedarfs an planbaren Reinigungsprozessen.

Laser, Kameras & SLAM – wie Roboter sich zurechtfinden

Moderne Reinigungsroboter arbeiten mit einer Vielzahl an Sensortechnologien. Besonders bedeutend ist LiDAR (Laser Distance Measurement), das durch präzise Lasermessung Hindernisse erkennt und den Raum in einer 360-Grad-Ansicht erfasst. Ergänzend kommen Kameras, Ultraschall und Abstandssensoren zum Einsatz. Die Kombination ermöglicht effiziente und sichere Navigation, selbst bei wechselnden Lichtverhältnissen oder komplexen Umgebungen.

Eine der Schlüsseltechnologien im autonomen Betrieb von Reinigungsrobotern ist SLAM (Simultaneous Localization and Mapping). Damit kann der Roboter gleichzeitig eine Karte seiner Umgebung erstellen und seine eigene Position darin bestimmen. Das Verfahren ermöglicht eine flexible, dynamische Anpassung der Reinigungswege und ist die Grundlage für moderne, autonome Reinigungsroboter.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz?

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein wesentlicher Teil vieler aktueller Entwicklungen. In der Gebäudereinigung helfen KI-basierte Systeme den Robotern, aus ihren Einsätzen zu lernen, Hindernisse besser zu interpretieren und Reinigungsrouten anhand realer Nutzungsmuster zu optimieren. Einige Modelle nutzen KI, um etwa Ecken genauer zu reinigen („Zero‑Edge“), Engstellen zu erkennen oder Anpassungen an stark von Menschen frequentierte Bereiche vorzunehmen.

Gleichzeitig geht der Trend Richtung „Co-Botik“ – also der intelligenten Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Die Befürchtung, KI könnte Gebäudereinigerinnen und Gebäudereiniger komplett ersetzen, ist unbegründet. Viel mehr unterstützen KI‑gestützte Systeme Reinigungsteams und übernehmen vergleichsweise monotone Aufgaben, während Mitarbeitende sich auf Bereiche konzentrieren, die Fingerspitzengefühl, Flexibilität und Qualitätskontrolle erfordern. Das Ergebnis: Höhere Produktivität und weniger körperliche Belastung.

HERO: Software für Profis in der Gebäudereinigung

Bild: Hero in der App oder vom Büro aus

Rechtliche Fragen: Haftung, Sicherheit & Standards

Für den gewerblichen Einsatz von Robotern in der Gebäudereinigung gelten strenge Regeln. Autonome Bodenreinigungsroboter müssen unter anderem der europäischen Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und Normen wie der IEC 63327 entsprechen – Standards, die Sicherheit in öffentlichen und gewerblichen Bereichen insbesondere im direkten Kontakt mit Menschen garantieren sollen. Sie minimieren das Risiko von Fehlfunktionen oder Kollisionen und legen Anforderungen für Sensorik, Software und Betriebssicherheit fest. So wird das Gefahrenpotenzial, das von einem völlig autonom arbeitenden Reinigungsroboter ausgeht, von vornherein verringert.

In der Praxis gilt: Grundsätzlich bleibt der Betreiber verantwortlich für die sichere Nutzung des Reinigungsroboters. Kommt es zu Schäden durch Fehlbedienung oder unzureichende Wartung, liegt die Haftung häufig beim Unternehmen. Herstellerinformationen müssen genau beachtet, regelmäßige Sicherheitsprüfungen durchgeführt und Gefährdungsbeurteilungen dokumentiert werden. Bei technischen Defekten hingegen kann der Hersteller in der Haftung stehen – abhängig vom Einzelfall, der Nutzungsumgebung und den vertraglichen Servicevereinbarungen.

Professionelle Reinigungsroboter-Modelle (Auswahl)

Reinigungsroboter sind längst fester Bestandteil der professionellen Gebäudereinigung – darunter vor allem verschiedene Roboter für die Bodenreinigung. Die folgende Übersicht zeigt eine Auswahl relevanter Robotertypen, die aktuell im Markt sind und von Gebäudereinigungs-Betrieben bei ihren Kunden eingesetzt werden können:

Reinigungsroboter (Modell)EinsatzbereichDetails
Fraunhofer DeKonBot 2Reinigung/DesinfektionMobiler Roboter zur Reinigung und Desinfektion potenziell kontaminierter Oberflächen (z. B. Türklinken und Lichtschalter)
Kärcher KIRA B 50 / BR 200BodenreinigungBodenreiniger-Roboter (Scheuersaugmaschinen) nach Industriestandard, für mittlere bis sehr große Flächen
LionsBot LeoBotBodenreinigungmenschlich anmutender Reinigungsroboter für mittelgroße Flächen in den Varianten LeoVac (Saugversion), LeoMop (Moppversion) und LeoScrub (Schrubbversion), interagiert mit seiner Umgebung
PUDU CC1BodenreinigungSmarter 4-in-1-Reinigungsroboter, der autonom saugt, wischt, kehrt und schrubbt
Skyline Robotics Ozmo (Pilotprojekt)FensterreinigungFensterreiniger-Roboter nach Industriestandard, für sehr große Glasflächen z. B. an Wolkenkratzern

Beispiel: Fensterreiniger-Roboter Ozmo

Roboter für die automatische Fensterreinigung gibt es bereits im kleinen Format, direkt für Endanwender. Die beiden Robotik-Unternehmen KUKA und Skyline Robotics sind einen Schritt weiter gegangen und haben mit ihrem „Ozmo Automated Window Cleaning“ einen Fensterputzer-Roboter für die professionelle Anwendung an Hochhäusern entwickelt. Dazu hat Skyline Robotics unter anderem die industriellen Roboterarme von KUKA auf eine Plattform gesetzt und mit Kameras sowie künstlicher Intelligenz ausgestattet. Das Video zeigt das professionelle System im Einsatz an einem Wolkenkratzer in New York:

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Saubere Arbeit für den Durchblick. Das Video zeigt ein Praxisbeispiel für einen industriellen Fensterreiniger-Roboter in New York. Tipp: bei Bedarf automatisch übersetzte Untertitel aktivieren! | © KUKA - Robots & Automation / youtube.com

Fazit: Ersetzen Roboter bald Gebäudereiniger*innen?

Reinigungsroboter sind längst mehr als ein Trend bei Endverbrauchern. Sie erhöhen auch im professionellen Dienstleistungs-Einsatz die Effizienz, senken langfristige Kosten und helfen, dem Fachkräftemangel in der Gebäudereinigungs-Branche zu begegnen. Gleichzeitig braucht es weiterhin menschliche Fachkräfte für Detailarbeiten, Qualitätskontrolle, flexible Einsätze und alles, was situatives Handeln erfordert. Die Zukunft liegt deshalb in der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine, nicht im Ersatz.

Für Gebäudereinigungs-Unternehmen bedeutet das: Wer jetzt in die Technologie einsteigt und Robotik einsetzt, kann sich Wettbewerbsvorteile sichern, Prozesse stabilisieren und Mitarbeitende entlasten. Reinigungsroboter werden die Branche verändern – aber sie werden vor allem Menschen unterstützen. In der Praxis wird dabei gern von „Co-Botik“ gesprochen.

Lust auf mehr? In den kommenden Wochen werden wir uns im HERO Blog auf weitere spannende Themen aus der Gebäudereinigungs-Branche konzentrieren. Dazu gehören Gehaltsstrukturen, professionelle Arbeitskleidung und der vieldiskutierte Bereich Nachhaltigkeit. Schau bald mal wieder rein!

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