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Lean Construction Management - die Zukunft für jede Baustelle?

08.07.2022  | Philipp Kloth
Bild: Lean Construction Management
Taktplanung & Lean Construction Management für effizienteres Arbeiten auf der Baustelle | © LightField Studios/Shutterstock.com

Mehr Terminsicherheit, mehr Kommunikation, weniger Müll und weniger Stress - das verspricht die Idee des Lean Construction Management. Wir erläutern die wichtigsten Aspekte und schauen kritisch auf die Vorteile und Nachteile für das Handwerk oder die Baubranche.


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Was ist Lean Construction Management?

Lean Construction Management (zu deutsch etwa schlankes Baustellen-Management) ziert die Titelseiten unzähliger Bachelor-, Master-, oder Doktorarbeiten, aber was ist dran an diesem scheinbar revolutionären System für die Baubranche? Befürworter sehen darin die Zukunft des Bauens, Kritiker nur eine Möglichkeit für Consulting Firmen, noch mehr Geld zu verdienen.

Wie so häufig liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, denn Lean Construction Management ist kein Selbstläufer und erfordert viel Disziplin. Auch gibt es nicht DAS EINE Verfahren für agilere Baustellen, sondern gleich einen ganzen Mix an Methoden. So viel sei aber gesagt: Wer sich wirklich alle Vorteile von Lean Construction zunutze machen kann, spart am Ende so viel Zeit bzw. Ressourcen, dass das Budget auch noch locker für eine entsprechende Consulting Firma reicht, die beratend zur Seite steht.

Übliche Probleme bei der Baustellenplanung

Um besser zu verstehen, welchen Mehrwert Lean Construction haben kann, sollte man zunächst auf die üblichen Probleme größerer Bauprojekte schauen. Uns allen dürfte da zuallererst der Bau des Berliner Flughafens (BER) in den Sinn kommen, dessen Eröffnung von 2011 bis letztendlich 2020 immer wieder verschoben wurde. Allerdings sind derartige Phänomene keine Produkt der Neuzeit - die Baustelle des Kölner Doms ruhte zum Beispiel zwischenzeitlich fast 300 Jahre, bis er 1880 endlich fertiggestellt wurde.

Die meisten Probleme gibt es bei großen Bauprojekten in den Bereichen Finanzierung, Kommunikation und letztendlich auch beim Erwartungs-Management, denn werden Eröffnungstermine ohne Rücksprache mit allen Stakeholdern einfach festgesetzt, ist es eben sehr wahrscheinlich, dass diese nicht eingehalten werden können. Mangelnde Kommunikation wirkt sich darüber hinaus besonders auf die Materialbeschaffung und den Alltag auf der Baustelle aus, wenn einzelne Gewerke aufeinander warten müssen.

Die Ziele und Methoden im Überblick

In Summe sollen mit dem Lean Construction Management einfach alle Prozesse rund um eine Baustelle effizienter und transparenter gestaltet werden - im Idealfall auf einer reproduzierbaren Grundlage, die immer weiter verfeinert und aufs Neue angewendet werden kann. Lean Construction will:

  • Material, Arbeitszeit und Anfahrtswege reduzieren
  • Alle Stakeholder am Planungsprozess beteiligen (Eigentümer, Architekten, Ingenieure, Vorarbeiter usw.)
  • Sämtliche Ziele klar festlegen und messbar machen
  • Probleme im laufenden Prozess rechtzeitig aufdecken und lösen

Es ist nicht ganz leicht, wirklich in Gänze zusammenzufassen, was Lean Construction konkret ausmacht, aber am prägnantesten ist vermutlich das agile Arbeiten mit regelmäßigen Meetings und einer ständigen Re-Evaluierung der gesteckten Ziele. Hierfür haben sich tägliche Zusammenkünfte am Morgen und regelmäßige Treffen für einen 6-Wochen-Plan etabliert, um auf kurz- und mittelfristige Herausforderungen optimal reagieren zu können. In den Meetings spielt zusätzlich noch die Visualisierung der Baustellenplanung (entweder Analog mit Klebezetteln oder digital) eine große Rolle, damit keine Informationen verloren gehen.

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Taktplanung / Lean Construction einfach erklärt - Quelle: © WeLean GmbH / youtube.com

Vorteile und Nachteile von Lean Construction

Wie bereits erwähnt, ist das Lean Construction Management Prinzip kein Selbstläufer, denn es ist nichts, was man einfach machen könnte, so wie man zum Beispiel ein Fundament gießen oder Stromkabel verlegen kann. Mit der Einführung dieser Methoden-Sammlung gehen also zu allererst Nachteile einher. Erst wenn sich das Konzept etabliert hat und von alle Beteiligten auch wirklich gelebt wird, zeigen sich die ersten Vorteile.

VorteileNachteile
Produktivität und Effizienz werden verbessertMitarbeiter müssen die Methode erlernen und sich darauf einlassen
Verschwendung von Ressourcen wird minimiertMitarbeiter könnten sich unter Druck gesetzt oder überwacht fühlen
Lagerbestände reduzieren sich auf ein Minimumggf. kostenpflichtige Beratung durch externe Consulting Firma
Risiken oder Probleme werden frühzeitig erkannt

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Bestandteile und Ablauf einfach erklärt

Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema befasst, wird vermutlich von der Flut an Fachbegriffen überrumpelt. Das liegt daran, dass Lean Construction Management auf viele verschiedene Arten durchgeführt werden kann und diese Unterarten selbstverständlich auch alle eine coolen englischen Namen haben. Sind jedoch alle Begrifflichkeit erst einmal grob übersetzt und eingeordnet, dann sind eigentlich nur noch drei Schritte von Bedeutung:

  1. Methodik auswählen. Hier bietet sich zum Beispiel die Gesamtprozessanalyse in Verbindung mit dem Last Planner Prinzip an. Nach diesen beiden Verfahren wird das Lean Construction Management durchgeführt.
  2. Regelmäßige Meetings organisieren. Je nach Methodik unterscheiden sich Häufigkeit und Inhalt der Meetings, aber insgesamt gehört der regelmäßige Austausch aller Beteiligten zu jeder agilen Arbeitsweise dazu.
  3. Anpassungen im Ablauf. Es ist unwahrscheinlich, dass auf jeder Baustelle immer alles glatt läuft. Lean Construction zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass man Probleme und Engpässe frühzeitig erkennt und kollektiv bespricht. Ein Anpassung des ursprünglichen Plans gehört also fast immer dazu bzw. ist auch gewollt.
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Lean Construction is transforming construction - Quelle: © Pepper Construction Group / youtube.com

Methodik auswählen

In vielen Unternehmen hat sich das Last Planner System für das Lean Construction Management als Methode etabliert, deswegen nutzen auch wir es als Beispiel - theoretisch bedeutet Lean aber nur, dass es standardisierte Prozesse und einen regelmäßigen Austausch zur Verbesserung dieser Prozesse gibt.

Das Last Planner System beginnt meist mit einer Gesamtprozessanalyse, um die Baustelle mit all ihren Bestandteilen, Zielen und Herausforderungen darzustellen. Auf das Gesamtbild, das hier entsteht, müssen sich alle Beteiligten bindend einlassen. Daraus werden dann wieder einzelne Meilensteine abgeleitet, die ein klareres Bild davon zeichnen, welches Gewerk in welchem Monat mit seinen Arbeiten beginnen muss.

Regelmäßige Meetings mit allen Beteiligten

Mit Eröffnung der Baustelle geht man dann in die agilen Prozesse über. Hier haben sich verschiedene Meeting-Strukturen mit Blick auf den Tag, auf die ganze Woche und auf 6 Wochen etabliert. An so einem Meeting nehmen dann im Idealfall alle Entscheider für den betreffenden Zeitraum teil - meist also Architekten, Bauleiter und die Vorarbeiter der aktuell und bald anstehenden Gewerke.

Anpassungen im Ablauf nach Bedarf

Treten Probleme auf, werden diese im Kollektiv diskutiert und in die Lösung werden auch alle Beteiligten eingebunden, sodass maximale Transparenz gewährleistet ist. Das Prinzip des Lean Construction Management baut maßgeblich darauf auf, flexibel und frühzeitig auf Probleme zu reagieren. Trotz regelmäßiger Nachjustierungen im Ablauf lassen sich Termine insgesamt deutlich besser einhalten und das ist letztendlich der entscheidende Vorteil gegenüber ein herkömmlichen, starren Baustellenplanung.

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Beispiele aus der Praxis

Baustellen-Taktplanung bzw. Lean Construction Management ist ein häufig eingesetztes agiles Arbeitsmodell und hat sich in der Praxis und im Arbeitsalltag von Bauunternehmen bewährt. Dass die Theorie auch vor Ort auf der Baustelle funktioniert, zeigen verschiedene Beispiele und Best Practices. Nachfolgend eine Auswahl von Praxisbeispielen.

Lean Construction bei Strabag: Als eines der größten Bauunternehmen Europas setzt die Strabag SE (zu der u. a. Züblin gehört) auf das Lean-Modell. In Sachen Digitalisierung im Verkehrswegebau bezeichnet sich die deutsche Strabag AG selbst als „Schrittmacherin dieses Trends“ und setzt auf die Vernetzung aller Beteiligten über Lean-Prinzipien und Building Information Modelling (BIM - mehr dazu in einem der folgenden Abschnitte).

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STRABAG SE Unternehmensfilm - der Baukonzern setzt auf Lean Construction Management - Quelle: STRABAG / youtube.com

Lean Construction bei Implenia: Ein weiteres gutes Beispiel aus der Praxis ist der Schweizer Baudienstleister. Auf Basis des Lean Construction Modells konnte Implenia in 80 Tagen 90 Wohnungen sanieren. Das Unternehmen hat mit Hilfe der Lean-Prozessoptimierung Verschwendungen eliminiert, konnte Termine einhalten, die Qualität steigern und Kosten reduzieren.

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Lean Construction für Wohnungssanierungen von Implenia - Quelle: Implenia / youtube.com

Software für Lean Construction

Theoretisch erfordert Lean Construction Management nicht unbedingt die Nutzung einer speziellen Software. Wichtig zu wissen: Software kann den ohnehin schon komplexen Einführungsprozess sogar noch weiter verkomplizieren - das sollte man also im Hinterkopf behalten. In der heutigen Zeit mit all den leicht verfügbaren Informationstechnologien wäre es jedoch verschwendetes Potential, wenn das Lean Construction Management nicht im Einklang mit Software, Smartphones und digitalen Baustellenplanern genutzt würde. Eine Auswahl der beliebtesten Softwares für Lean Construction Management:

Lean Construction SoftwareAnbieterPreisSprache
BuildworldBuildworld GmbHauf AnfrageDeutsch, Englisch
ExecuteLCM Digital GmbHab 199 € pro MonatDeutsch
KYP Projekt KomplettKYP Projektab 105 € pro Projekt pro MonatDeutsch, Englisch, Niederländisch
LCE-PortalLean Construction Experts GmbH & Co. KGauf AnfrageDeutsch
PLACE Strategy GmbHPLACE Strategyauf AnfrageDeutsch, Englisch
RefinemySiteRobert Bosch Power Tools GmbHauf AnfrageDeutsch
YoleanYoleanauf AnfrageDeutsch

Wissenschaftlicher Stand zu Lean Construction

Lean Construction Management ist nicht erst seit gestern ein Thema in der Wissenschaft. Inzwischen gibt es zahlreiche Lean Construction Bachelorarbeiten, aber auch fundiertere wissenschaftliche Abhandlungen und Einordnungen. Daran, dass Lean Construction - richtig angewendet - erfolgreich ist und Bauunternehmen profitieren können, besteht praktisch kein Zweifel.

„Die Erfolge sind überall messbar. Sie reichen von kleinen Verbesserungen in der Zusammenarbeit und der gemeinsamen Voraussage der planerischen Zukunft bis hin zur völligen Umgestaltung aller Management- und Ausführungsprozesse“, heißt es etwa in einer Publikation des German Lean Construction Institute (GLCI). Nachfolgend diese und eine Auswahl weiterer wissenschaftlicher Arbeiten zum Lean Construction Management (Links zu PDF-Dateien):

Bild: Baustelle mit Lean Construction Management
Wissenschaftliche Arbeiten und Studien zu Lean Construction in der Praxis gibt es einige © Nicholas_Demetriades / pixabay.com CC0

Bedeutung für Handwerk und Bauunternehmen

Lean Construction für das Handwerk ist nicht von revolutionärer Bedeutung, wenn sich die Gewerke auch zuvor schon gut untereinander abgestimmt haben und das Projekt am Ende erfolgreich war. Also die Umsetzung des Projekts innerhalb des Termins, zu den geplanten Kosten und ohne Ressourcenverschwendung stattgefunden hat.

Das Lean Construction Management hat aber für Handwerker und Bauunternehmer Vorteile, wenn sie nicht nur eine Firma von vielen auf einer großen Baustelle sind. Vor allem dann, wenn ein Betrieb als Generalunternehmen die Hauptverantwortung übernimmt und die verschiedenen Gewerke so koordinieren muss, dass zum Schluss alle Termine und Kostenrahmen eingehalten werden können.

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Verwandte Konzepte

Dem Lean Construction Management verwandte Konzepte sind vor allem das „Building Information Modeling“ (BIM) und die „Integrated project delivery“ Methode (IPD). „Lean IPD“ basiert beispielsweise auf dem Lean-Prinzip, es steht aber immer das Projekt im Vordergrund und Faktoren wie Firmenzugehörigkeit und Abteilungsziele werden strikt untergeordnet. Häufiger wird in Zusammenhang mit Lean Construction BIM genutzt, weshalb wir den Fokus darauf legen wollen.

BIM

Das Building Information Modeling (BIM) unterstützt die Lean Construction Management Methode, indem es ein Bauwerk in einem digitalen 3D-Modell darstellt. Der Vorteil von BIM: Durch die grafische „Simulation“ des Bauwerks in einer Software können bereits vor Beginn der Arbeiten auf der Baustelle Probleme erkannt und Planänderungen vorgenommen werden. BIM ermöglicht somit eine frühzeitige Reaktion, bevor überhaupt Schwierigkeiten in der Praxis entstehen können.

Mit BIM lässt sich außerdem der Materialbedarf sehr genau errechnen - was wiederum Ressourcenveschwendung vermeidet. Und: Weil das per BIM geplante Modell immer aktuell gehalten wird, sind alle beteiligten Gewerke immer auf dem neuesten Stand und bekommen Änderungen unverzüglich mit. Die Kombination von Lean Construction und BIM ist dementsprechend all denjenigen Bauunternehmen zu empfehlen, die das ganze Konzept noch weiter perfektionieren möchten.

Bild: BIM 3D-Modell
Mit BIM lassen sich per Software Gebäude visualisieren und exakte Bedarfe ermitteln © Peggy_Marco / pixabay.com CC0

Fazit

Lean Construction Management ist keine neue Erfindung und auch kein genereller Problemlöser für ineffizient geführte Unternehmen. Aber: Mit Lean Construction werden Methoden eingeführt, die eine stetige Verbesserung aller Prozesse erlauben. Es muss selbstverständlich eine gewisse Bereitschaft vorhanden sein, Arbeitsschritte anders anzugehen - im Management, aber vor allem auch beim Vorarbeiter und den Bauarbeitern vor Ort.

Darüber, dass dann Lean Construction zum Erfolg werden kann, ist sich die Wissenschaft einig. Es besteht außerdem die Möglichkeit, das Modell bzw. die Methoden individuell anzupassen. Lean Construction muss nicht immer zu 100 Prozent nach Lehrbuch betrieben werden, um zu „funktionieren“. Wichtig ist, dass die Grundsätze eingehalten werden.

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