Gewährleistung im Handwerk - VOB und BGB einfach erklärt

Anna Schwirten 09.04.2021

Häufig zeigen sich Mängel erst Jahre später nach Abschluss der Arbeiten und Bauabnahme. Für diese Fälle gibt es den Gewährleistungsanspruch. Er schützt Verbraucher, wenn Handwerker fehlerhaft gearbeitet haben. In der Regel haben Handwerker ab der Bauabnahme fünf Jahre Zeit für die Mängelbeseitigung, in einigen Fällen auch weniger. Hier erfahren Sie, wann Sie welche Rechte haben und wie Sie diese am besten umsetzen.

Bild: Tischler verlegt Parkett
Gewährleistung im Handwerk - Was tun bei Baumängeln? | © 2018 Fusionstudio / shutterstock.com

Inhalt

Allgemeines zur Gewährleistung

Dieser Artikel kann keinen echten Rechtsbeistand und auch keine Ausbildung für Handwerker ersetzen. Er soll lediglich aufzeigen, welche Grundlagen existieren und wo man sich im Zweifelsfall konkret informieren kann.

Grundsätzlich gibt es Missverständnisse darüber, nach welchem Recht man den Vertrag abschließen sollte, was tatsächlich als Mangel gilt und wo der Handwerker gepfuscht hat. Manchmal liegen die Probleme schon im anderen Gewerk, aber zeigen sich z.B. erst bei den Fliesen.

Offizielle Informationsstellen zur Gewährleistung

Als privater Bauherr können Sie sich bei verschiedenen Stellen über die Gewährleistung im Handwerk informieren. Die Verbraucherzentrale ist in dem Zusammenhang eine gute erste Anlaufstelle, aber auch die Industrie- und Handelskammern können zu dem Thema informieren. Daneben veröffentlicht die DHZ (Deutsche Handwerks Zeitung) regelmäßig verbraucherfreundliche Artikel oder aber Sie haben einen guten Anwalt, den Sie fragen können.

Bild:  Verschiedenes Werkzeug
Gewährleistung und Schadenersatz - Überblick über die Rechtslage © piqsels.com / CC0

Vertrag nach VOB oder BGB abschließen?

Bauverträge mit privaten Bauherren werden generell entweder nach BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) oder VOB (Verdingungsordnung für Bauverträge) abgeschlossen. Die VOB ist für private Bauherren nur dann gültig, wenn dies ausdrücklich vertraglich vereinbart wurde. Der Unterschied liegt im Fall der Bauverträge in der Länge der Gewährleistungsfrist. Gemäß BGB verjähren Mängelrechte fünf Jahre nach Bauabnahme, gemäß VOB erlischt die Frist bereits nach vier Jahren.

GewährleistungAnwendungVorteileNachteile
VOBPflicht für öffentliche Auftraggeber, optional für private BauherrenMängelanzeige unterbricht die Verjährung von 4 Jahren, anschließend beginnt eine neue Frist von 2 Jahren, Verlängerung der Verjährung möglichMängel, die sich erst nach 4 Jahren zeigen, müssen nicht vom Handwerker ausgebessert werden, VOB ist sehr unübersichtlich
BGBGilt für private Bauverträge, sofern nicht anders vertraglich vereinbartLängere Verjährungsfristen als in der VOB, BGB bietet effektiven RechtsschutzVerjährung läuft während der Mängelbeseitigung weiter

VOB bei öffentlichen Ausschreibungen

Bei einer öffentlichen Ausschreibung wird im Rahmen eines Vergabeverfahrens eine unbeschränkte Anzahl von Betrieben zur Abgabe eines Angebotes aufgefordert. Bei öffentlichen Bauvorhaben ist das Ausschreibungsverfahren nach VOB vorgeschrieben. Verstöße gegen die Vorschrift können hohe Strafen nach sich ziehen. Ein privater Auftraggeber muss und sollte seine Ausschreibung nicht als Ausschreibung nach VOB kennzeichnen.

Privat lieber auf BGB setzen

Wir empfehlen Ihnen aus verschiedenen Gründen bei einem privaten Bauvorhaben lieber auf das BGB zu setzen. Zunächst einmal ist die VOB sehr unübersichtlich und für Laien schwer zu durchschauen. Daneben ist das BGB speziell für das Privatrecht ausgelegt und beinhaltet viele weitere Rechtsvorschriften, die dem privaten Bauherren zugute kommen, etwa das Schuldrecht und das Werkvertragsrecht. Außerdem haben Sie über das BGB ein Jahr länger Gewährleistungsanspruch.

Bild: Vertrag wird unterzeichnet
In der Regel werden private Bauverträge nach BGB abgeschossen © andibreit / pixabay.com CC0

Übersicht zu Gewährleistungen im Handwerk

Grundsätzlich beträgt die Gewährleistungsfrist bei der Errichtung eines Bauwerkes und unmittelbar damit zusammenhängenden Arbeiten (z.B. Einbau der Heizung, Einbau der Fenster) fünf (BGB) bzw. vier (VOB) Jahre. Handelt es sich aber um Reparaturen oder kleinere Umbauarbeiten endet die Gewährleistungspflicht schon nach zwei Jahren.

Die Gewährleistungspflicht ist nicht zu verwechseln mit der Herstellergarantie. Die Gewährleistung ist gesetzlich geregelt, die Garantie ist eine freiwillige Zusage des Herstellers. Nachfolgend finden Sie einige Beispiele für verschiedene Arbeiten und ihrer Gewährleistungsfrist.

HandwerkerGewährleistung VOB (öffentlich)Gewährleistung BGB (privat)
Dachdecker4 Jahre für Dacheindeckung mit Dämmung5 Jahre für Dacheindeckung mit Dämmung
Fensterbauer4 Jahre für den Einbau neuer Fenster5 Jahre für den Einbau neuer Fenster
Heizungsbauer (SHK)4 Jahre für den Einbau einer Zentralheizung samt Leitungen5 Jahre für den Einbau einer Zentralheizung samt Leitungen
Maler und Lackierer2 Jahre für Malerarbeiten in einzelnen Räumen2 Jahre für Malerarbeiten in einzelnen Räumen
Tischler2 Jahre für das Tischlern von Möbelstücken2 Jahre für das Tischlern eines Möbelstücks

Gewährleistungs-Zeitraum verlängern

Wenn Sie bereits einen Bauvertrag gemäß BGB abgeschlossen haben, ist es sehr schwer den gesetzlich geregelten Gewährleistungs-Zeitraum von fünf Jahren im laufenden Vertrag zu verlängern. Hierfür müsste der Handwerksbetrieb den Mangel zunächst anerkennen und Sie als Kunde müssten ein Beweissicherungsverfahren einleiten. Sie können aber vor Vertragsunterzeichnung mit dem Handwerker einen verlängerten Gewährleistungszeitraum schriftlich vereinbaren.

Oder aber Sie schließen den Bauvertrag von Anfang an nach VOB-Recht ab. In dem Fall beträgt die Gewährleistungspflicht zwar nur vier Jahre, sie ist aber einfacher zu verlängern. Wurde ein Bauvertrag nach VOB vereinbart und es liegt schriftlich eine Mängelrüge vor, wird die Verjährung der Gewährleistungspflicht sofort unterbrochen und erst nach der Mängelbeseitigung wieder aufgenommen.

Bild: Riss in der Wand
Baumängel sind nicht immer auf eine unsachgemäße Ausführung zurückzuführen © pxhere.com / CC0

Typische Probleme und Mängelbeseitigung

Nicht immer ist der Handwerker Schuld und nicht alles was der Bauherr als Mangel deklariert ist auch ein Mangel. Trotzdem sollten Handwerksbetriebe auf eine Mängelrüge unbedingt schnellstmöglich reagieren. Tun sie das nicht, ist das nicht nur ein Zeichen von schlechter Qualität und schlechtem Service, der Handwerker muss auch damit rechnen, dass der Kunde auf seine Kosten eine andere Firma mit der Mängelbeseitigung beauftragt. Wie der Mangel behoben wird, etwa durch Nachbesserung oder Austausch entscheidet die Handwerksfirma.

Unsachgemäße Ausführung

Die meisten Baumängel sind auf eine unsachgemäße Ausführung zurückzuführen. Hierzu gehören zum Beispiel Bodenfeuchte, Schimmelbildung, Risse in der Wand oder ein undichtes Dach. Zu den häufigsten Baumängeln, die durch unsachgemäße Ausführung entstanden sind, gehören Fehler in der Ausführung von Feuchtigkeitsabdichtungen, unsachgemäße Ausführung von Fugenabdichtungen oder mangelhafte Ausführung von Installationsarbeiten (insbesondere im Bereich Elektro- und Heizungsinstallation).

Schlechte Vorarbeit anderer Gewerke

Auch durch schlechte oder falsche Vorarbeit anderer Gewerke können Baumängel entstehen. Handwerker die auf eine Baustelle kommen, auf der im Vorfeld schon andere Gewerke gearbeitet haben, sollten immer die Vorarbeiten der anderen Gewerke prüfen, bevor sie mit ihrer Arbeit beginnen. Tun sie dies nicht, können sie im Nachhinein für Schäden haftbar gemacht werden, die sie in erster Linie gar nicht selbst verursacht haben. Das gilt auch für Gewerke, die nur indirekten Einfluss auf das eigene Gewerk haben. Welche Punkte an den Vorarbeiten anderer Gewerke im Detail zu überprüfen sind, ist in der VOB festgelegt. In der VOB/C (Teil C) ist für jedes Gewerk nachzulesen, was wie überprüft werden muss.

Auftraggeber nimmt es zu genau

Immer mal wieder haben Handwerker auch mit der Situation zu tun, dass der Auftraggeber es mit der Erfüllung der Leistungen zu genau nimmt. Selbstverständlich hat ein Kunde das Recht auf eine sachgemäß ausgeführte Arbeit, wie im Vertrag vereinbart. Niemand muss sich mit Baumängeln zufrieden geben und auf sein Recht verzichten, allerdings gibt es teilweise auch Kunden, die akribisch nach Fehlern suchen, wo keine sind.

Das Kammergericht Berlin kam wiederholt zu der Entscheidung, dass Fehler, die mit bloßem Auge kaum zu sehen sind und die überdies die Nutzung eines Objekts nicht im geringsten beeinträchtigen, ohne finanziellen Ausgleich hingenommen werden müssen. Um eine Mängelbeseitigung oder einen Schadensersatz einzufordern, muss der Schaden deutlich sichtbar und/oder die Funktionalität dadurch eingeschränkt sein.

Bild: Maler streicht eine Wand
Im Streit mit dem Handwerker? Schlichtungsstellen helfen © Pixnio.com / CC0

Streitschlichtung - das können Sie tun

Sollte es zwischen Kunde und Handwerksbetrieb zum Streitfall kommen, sollten alle beteiligten Parteien zunächst versuchen, den Konflikt außergerichtlich zu lösen. Voraussetzung hierfür ist aber, dass eine gewisse Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten besteht. Wenn Sie es in einem persönlichen Gespräch nicht schaffen, den Streit beiseite zu legen, gibt es verschiedene Wege der außergerichtlichen Streitbeilegung. Schlichtungsstellen wie etwa die Verbraucherschlichtungsstellen oder die Schlichtungsstellen der Handwerkskammern informieren über die Möglichkeiten und beraten hierzu.

Als Handwerker

Die drei wichtigsten Verfahren für Handwerker bei der außergerichtlichen Streitschlichtung sind das sogenannte Güteverfahren im Handwerk, die Mediation oder das Verbraucherschlichtungsverfahren. Die Teilnahme an einem solchen Verfahren sind immer für beide Parteien freiwillig. Das Güteverfahren im Handwerk wird in der Regel von den Handwerkskammern, aber auch von vielen Innungen und Fachverbänden angeboten. Mediationen werden meistens von privaten Einrichtungen und Verbraucherschlichtungsverfahren von offiziell anerkannten Verbraucherschlichtungsstellen angeboten. Als Handwerker ist der richtige Ansprechpartner die Handwerkskammer.

Als Auftraggeber

Wenn Sie als Kunde mit den Leistungen eines Handwerkers nicht zufrieden sind, sollten Sie als erstes mit dem Handwerksbetrieb sprechen, zusätzlich sollten Sie schriftlich in einer Mängelrüge festhalten, welche Baumängel Sie beanstanden (spätestens bei der Bauabnahme). In dieser setzen sie dem Handwerker auch eine Frist, innerhalb derer die Mängel beseitigt werden müssen. Kommt die Handwerksfirma der Nacherfüllung nicht nach, haben Sie das Recht auf Ihrer Seite und benötigen bei einem eventuellen Rechtsstreit Unterlagen, die als Beweismittel dienen, wie etwa die Mängelrüge.

Natürlich sollten Sie auch als Auftraggeber zunächst an einer außergerichtlichen Einigung interessiert sein. Auch Kunden können sich bei den Handwerkskammern diesbezüglich informieren und beraten lassen. Häufiger wenden sich Verbraucher aber an die Verbraucherschlichtungsstellen.

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