Was gefällt dir am Theorieunterricht am besten? Und wie ist der Praxisbezug dabei?
In der Theorie lernt man z. B. Statik und es ist hilfreich, dass man die ganzen Fachbegriffe kennenlernt. Besonders im Betrieb und auf der Baustelle wird man ja direkt ins kalte Wasser geschmissen und da gibt es sehr, sehr viele Fachbegriffe. Und wenn man nicht fachkundig ist, versteht man recht wenig – das ist schon eine eigene Sprache für sich. Da war ich auch ein bisschen überrascht, wie speziell das ist. Also ein Handwerksberuf ist ja sehr individuell und alles, was man in der Theorie lernt, kann man direkt in der Praxis anwenden. Das finde ich ziemlich cool an der Ausbildung. Also der Theorieunterricht ergibt auf jeden Fall Sinn, besonders in Hinblick auf die ganzen „Hintergrundinformationen” und Eigenschaften von verschiedenen Baumaterialien.
Hast du einen Begriff, der dir richtig im Kopf geblieben ist, weil du ihn vorher nicht kanntest? Wo du jetzt sagst, „ach so heißt das”?
Ja, zum Beispiel Sprungmaß, Achsmaß oder lichtes Maß. Das ist, wenn man beispielsweise zwei Hölzer hat, die parallel zueinander liegen: dann wäre das lichte Maß der Abstand von den beiden Innenkanten zueinander. Das Achsmaß wäre, wenn man von der Mitte des einen Holzes zur Mitte des anderen Holzes misst. Und das Sprungmaß ist, wenn man von der Unterkante bis zur Oberkante misst.
Wenn du Praxisphasen hast, wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Wir treffen uns morgens auf dem Platz, also bei Hanebutt und dann trudeln alle Zimmerer und Dachdecker erstmal ein. Wir haben auf dem Gelände auch einen eigenen Bäcker und einen Foodtruck, wo man sich was kaufen kann. Dann laden wir unsere Wagen auf, besprechen uns nochmal und fahren in Kolonnen zu unseren Baustellen. In den Kolonnen sind wir meist zu viert oder fünft, es können aber auch mal bis zu zwölf Leute werden – je nachdem, wie groß die Baustelle ist. Und in jeder Kolonne gibt es natürlich einen Vorarbeiter.
Einen Vorarbeiter? Ist das, wie ein Team Lead?
Ja genau, der Vorarbeiter ist der Chef auf der Baustelle. Der gibt den Ton an und verteilt die Aufgaben. Vom Vorarbeiter bekommt man also immer seine Aufgabe und erledigt die dann auch unmittelbar danach. Und wenn man fertig ist, gibt es direkt eine neue Aufgabe. Manchmal erledigt man was mit anderen gemeinsam, manchmal alleine – das ist immer ganz unterschiedlich. Mittags machen wir auf der Baustelle dann im Team gemeinsam Pause und fahren am Ende des Tages alle zusammen wieder zurück zum Platz zu Hanebutt.
Was war eine praktische Aufgabe, die dir richtig gut gefallen hat?
Auf meiner allerersten Baustelle haben wir eine Sparrenaufdopplung gemacht. Da war ich direkt begeistert, weil das etwas typisch zimmermannsmäßiges ist. Mit einem richtig netten Gesellen haben wir den Dachstuhl einmal abgebaut und dann wieder neu gemacht. Und wir haben die alten Sparren aufgedoppelt, das heißt über die Sparren kamen einfach nochmal neue Sparren. Wenn man sich ein ganz normales Satteldach vorstellt, dann sind Sparren die Hölzer, die schräg an die Firstpfette gehen. Die Sparrenaufdopplung dient dann einerseits zur Stabilisierung, ist aber auch notwendig, weil heutzutage andere Anforderungen an die Dämmung gestellt werden, zum Beispiel im Rahmen einer energetischen Sanierung.
Ist bei euch auf der Baustelle schon einmal etwas schiefgegangen?
Also kleinere Fehler, klar. Aber dass jetzt etwas richtig schiefgegangen ist… Ich habe mal einen falschen Schnitt gesetzt. Das war dann ein bisschen blöd. Aber das war auch ein Holz, das wir eh übrig hatten und nicht mit eingerechnet wurde. Das war also nicht ganz so dramatisch.
Kannst du dir vorstellen, irgendwann auch den Meister zu machen?
Ja, das kann ich mir auf jeden Fall vorstellen. Jetzt in meinem Betrieb wäre es allerdings so, dass man als Meister eher im Büro ist und als Bauleiter arbeitet – und dann hätte ich wieder einen Bürojob. In manchen anderen Betrieben arbeiten die Meister aber auch mehr auf der Baustelle mit. Die Meisterschule geht, verglichen mit einem Studium, aber auch nicht so lange, nur ein Dreivierteljahr. Man muss die Schule aber in der Regel selbst finanzieren und das kostet dann so um die 10.000 bis 12.000 Euro. Und, was auch anders ist im Gegensatz zum Studium, wo man den Master häufig direkt an den Bachelor anschließt: im Handwerk sammelt man als Geselle nach seiner Ausbildung normalerweise erst einmal ein paar Jahre Berufserfahrung, bevor man in die Meisterschule geht.
Hättest du Lust, irgendwann mal deinen eigenen Betrieb zu eröffnen?
Ja, das finde ich grundsätzlich schon sehr interessant. Aber mit dem aktuellen Fachkräftemangel könnte ich mir vorstellen, dass es gar nicht so einfach ist, einen Betrieb zu führen. Hier bei Hanebutt haben wir einige Mitarbeitende, die vorher eigene Betriebe hatten und jetzt wieder als Angestellte bei uns arbeiten. Unter anderem, weil es so schwierig ist, Leute zu finden, auf die man sich verlassen kann. Viele Betriebe sind ja ganz klein, oft nur mit zwei bis vier Leuten. Wenn dann jemand häufig krank ist, fehlt bei manchen direkt ein Viertel oder sogar die Hälfte der Belegschaft – das ist dann sehr schwierig. Da gibt es also schon Herausforderungen, aber an sich ist ein eigener Betrieb natürlich schon etwas sehr Schönes.
Dann sind wir auch schon bei der letzten Frage: kannst du die Ausbildung weiterempfehlen und was würdest du sagen, braucht man, um in dem Beruf glücklich zu werden?
Also ich finde die Ausbildung super. Und bei den Zimmerern gibt es echt viele, die die Ausbildung nochmal aus Herzenswunsch angefangen haben. Die haben vorher schon was anderes gelernt oder gearbeitet und entscheiden sich bewusst dafür, nochmal etwas Neues zu lernen und ins Handwerk zu gehen. Und zur Person… Handwerkliches Interesse, Ausdauer und Schwindelfreiheit wären nicht schlecht. Wobei man das da natürlich auch lernt – also wenn man viel „klettert”, wird man wirklich trittsicherer und gewöhnt sich an die Höhe. Ansonsten wäre handwerkliches Geschick natürlich sinnvoll, aber es gibt auch einige, die vorher noch nie irgendein Werkzeug in der Hand hatten und den Umgang erst in der Ausbildung lernen. Ich hatte vorher, mit 17, selbst ein Praktikum in einer Tischlerei gemacht und hatte bis zu dem Zeitpunkt auch noch nicht viel Erfahrung mit Werkzeugen. Also von daher glaube ich, dass man vorher nicht immer schon alles Mögliche wissen und gemacht haben muss – man kann einfach direkt starten.
Schönes Schlusswort! Danke für das Interview, Konstantin.