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METALLORIGAMER TORSTEN THIELMANN IM HERO HANDWERKER INTERVIEW

Wenn Blech lebendig wird: Triff den Dachdecker, der Origami aus Metall fertigt

Torsten Thielmann ist gelernter Dachdecker und baut in seiner Freizeit dreidimensionale Tierfiguren aus Metallblech nach dem Origami-Prinzip. Was vor rund acht Jahren als spontane Idee auf einer Fortbildung entstand, ist heute das Unternehmen Metallorigamer. Im Interview erzählt Torsten, wie die Figuren entstehen und gibt uns einen Einblick in die einzigartige Welt seines filigranen Metallhandwerks.

Bild: Metallorigamer
Torsten Thielmann – „Metallorigamer“ – fertigt Metallfiguren nach dem Origami-Prinzip. | © Metallorigamer

Der Mensch hinter dem Metall: Werdegang und Antrieb
 

Lea: Hallo Torsten, bitte stell dich kurz vor: Wer bist du, und was verbirgt sich hinter dem Namen Metallorigamer?
Torsten: Ich bin Torsten Thielmann, Gründer und Geschäftsführer von Metallorigamer. Das Unternehmen habe ich 2019 gegründet und betreibe es bis heute vollständig allein. Der Name ist Konzept: Ich fertige dreidimensionale Tierfiguren aus Metallblech nach dem Prinzip des Origami. Was sich zunächst wie eine Idee anhört, die man unter der Dusche hat, ist in Wirklichkeit handwerklich ziemlich anspruchsvoll.

Lea: Arbeitest du hauptberuflich als Metallbauer?
Torsten: Ich komme ursprünglich aus dem Dachdeckerhandwerk, das habe ich rund 35 Jahre gemacht. Heute arbeite ich in einer blechverarbeitenden Firma, wo wir Bleche für Wangen, Gauben und Giebel vorbereiten. Metallorigamer ist im Moment noch mein Nebenprojekt, das ich in einer gemieteten Garage in der Nähe meines Wohnorts betreibe. Vor zwei Jahren hatte ich einen Herzinfarkt, der mich dazu gebracht hat, körperlich einen Gang runterzuschalten – seitdem ist die Werkstatt auch mein Ausgleich.

Lea: Wie kamst du damals zum Dachdeckerhandwerk? Wolltest du schon immer in diesem Bereich arbeiten?
Torsten: Das war tatsächlich ein Kindheitstraum: Ich habe irgendwann Dachdecker auf den Dächern herumspringen sehen und wusste sofort, das will ich auch machen. Dieser Wunsch war so klar, dass ich ehrlich gesagt auch nicht mehr dafür getan habe als nötig – Hauptschulabschluss war genug, und danach habe ich mich vollständig auf meine Ausbildung fokussiert.

Bild: Torsten Thielmann, Gründer und Geschäftsführer von Metallorigamer

Die Figur steht, der Kunde freut sich und man sieht das Ergebnis seiner Arbeit – das ist ein großartiger Moment!

Torsten Thielmann

Gründer und Geschäftsführer von Metallorigamer

Lea: Wie bist du dann auf die Idee gekommen, Tiere aus Blech zu bauen?
Torsten: Das war vor etwa acht Jahren auf einer Fortbildung, genauer gesagt in einem Kurs für Schieferornamente. Während der Veranstaltung lief jemand mit einem Modell aus Papier durch die Halle und ich dachte sofort: „Das müsste man aus Blech machen.“ Dann habe ich angefangen zu experimentieren. Bis ich mit den Ergebnissen wirklich zufrieden war, hat es gut drei bis vier Jahre gedauert. Aber ich habe schon von Anfang an verkauft – die Interessenten waren schon da, auch als das Handwerk noch wuchs.

Lea: Was gefällt dir am meisten daran, diese Figuren zu erschaffen?
Torsten: Dass das nicht jeder macht, ist die eine Sache. Und dann ist da dieser Moment, wenn am Ende zu sehen ist, was aus einer Idee oder einem Kundenwunsch geworden ist: Der Kunde freut sich, die Figur steht und ich weiß: Das habe ich gemacht. Am liebsten sind mir neue Aufträge, bei denen ich ein Tier baue, das ich noch nie zuvor umgesetzt habe. Die Spannung ist dabei von Anfang bis Ende am groß.

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Das Handwerk: Materialien, Techniken und Projekte
 

Lea: Welche Materialien verwendest du, und was bringt die Wahl des Materials mit sich?
Torsten: Ich arbeite ausschließlich mit Metallen, die sich gut löten lassen, denn Löten ist die einzige Verbindungstechnik, die ich anwende. Dabei verwende ich im Wesentlichen Zink, Kupfer und Messing mit einer Blechstärke von 0,7 mm. Zink ist das günstigste Material, Kupfer kostet etwa das Doppelte und Messing noch einmal das Doppelte von Kupfer, also rund das Vierfache von Zink. Die Arbeit selbst bleibt für mich dieselbe, aber bei einer großen Figur macht der Materialwert natürlich einen deutlichen Unterschied im Endpreis aus.

Lea: Wie entstehen die Figuren technisch? Was ist der Prozess dahinter?
Torsten: Die Grundlage ist entweder ein klassisches Origami-Modell aus Papier oder eine digitale PDO-Datei, also ein dreidimensionales Computerbild. Dieses nehme ich auseinander und übertrage es auf das Blech. Für besondere Modelle arbeite ich mit einem Spezialisten in England zusammen. Er fertigt mir solche Vorlagen an – für rund 300 US-Dollar pro Modell. Anschließend schneide ich die Einzelteile aus dem Blech aus, löte Füße, Rumpf und Kopf separat und setze die Figur zusammen. Der spannendste Moment ist immer das finale Zusammenfügen: Passt alles, oder habe ich falsch gemessen?

Lea: Wie viel Arbeitszeit steckt in den verschiedenen Figuren, und welches ist gerade dein größtes Projekt?
Torsten: Ein kleines Vögelchen (ca. 10 x 15 cm) ist beispielsweise eine Tagesarbeit, also rund acht Stunden. Ein großes Pferd kann bis zu 90 Stunden in Anspruch nehmen und ein Eisbär, den ich gerade für eine Messe im Oktober in Berlin plane, wird inklusive der Eisberg-Plattform, auf der er stehen wird, wohl um die 100 Stunden dauern. Bei großen Modellen baue ich auch ein inneres Skelett aus Aluminium oder Gewindestangen ein. Das gibt der Figur Stabilität, ohne das Gewicht zu stark zu erhöhen.

Lea: Müssen die Figuren nach dem Kauf gepflegt werden?
Torsten: Nein, ich poliere die Figuren nach der Fertigstellung leicht auf, sodass die Arbeitsspuren verschwinden und die Oberfläche schön aussieht. Anschließend lackiere ich sie, damit sie nicht so schnell anlaufen. Sollte es dennoch mit der Zeit zum Anlaufen kommen, geschieht dies meist gleichmäßig unter dem Lack, was einen schönen, natürlichen Effekt ergibt. Die Figuren kommen ohne nennenswerte Pflege aus, aber natürlich bleiben sie im Innenbereich noch länger erhalten.

Lea: Welche deiner bisherigen Arbeiten gefällt dir am besten und welche war die größte Herausforderung?
Torsten: Den Dobermann, den ich auch als Firmenlogo verwende, finde ich natürlich besonders schön, aber das „Ferrari“-Pferd in den Größen 1,10 m und 1,70 m ist mindestens genauso beeindruckend. Am schwierigsten war ein Adler: Den habe ich schon zweimal auf einem Dach montiert, aber er dreht sich im Wind immer wieder in die falsche Richtung. Dann muss ich zum Kunden hinfahren, nachbessern und den Adler wieder richtig fixieren. Das ist technisch wirklich knifflig!

Das Unternehmen: Kunden, Preise und Zukunft
 

Lea: Was kostet eine Figur und wer gehört zu deiner Kundschaft?
Torsten: Ein kleines Vögelchen ist ab 150 Euro zu haben, ein Dobermann in Standardgröße (95 cm) liegt deutlich höher, ein Pferd in voller Größe kostet rund 4.000 Euro und ein Drache als Einzelstück kann 5.000 bis 6.000 Euro kosten. Alles, was vierstellig wird, ist schwerer zu verkaufen, das sage ich offen. Die Figuren richten sich an alle, die etwas wirklich Einzigartiges suchen: Privatpersonen mit einer Leidenschaft für ein bestimmtes Tier ebenso wie Unternehmen, die etwas Außergewöhnliches für ihre Räumlichkeiten oder ihren Außenbereich suchen.

Lea: Wie vertreibst du deine Figuren und wo sitzen deine Kunden?
Torsten: Anfangs habe ich hauptsächlich über Facebook-Gruppen verkauft, zum Beispiel über spezialisierte Tiergruppen für Dobermänner oder Bullterrier. Inzwischen kommen aber auch immer mehr Firmen als Kunden hinzu, und ich verkaufe mittlerweile europaweit nach Österreich, in die Schweiz und nach Ungarn. Sogar eine Lieferung nach Amerika hatte ich schon. Größere Stücke bringe ich am liebsten persönlich vorbei, um sicherzugehen, dass alles heil ankommt.

Lea: Gibt es auch Aufträge, die du ablehnst? Und wie lange muss man auf eine Figur warten?
Torsten: Wenn jemand eine Figur in sehr kurzer Zeit haben möchte, sage ich in der Regel ab, denn unter Zeitdruck leidet die Qualität – und die ist mir wichtiger als jeder Auftrag. Eine realistische Vorlaufzeit beträgt mindestens zwei Monate, je nach Auftragslage auch mehr. Es gibt aber Ausnahmen: Wenn jemand eine Figur eines verstorbenen Haustieres bestellt, ziehe ich das manchmal vor und erkläre den anderen Kunden die Situation. Das verstehen alle, und solche Momente zeigen, wie persönlich dieses Handwerk sein kann.

Lea: Du gibst auch Workshops: Wer kann mitmachen, und was erwartet die Teilnehmenden?
Torsten: Die Workshops fanden zunächst exklusiv in Würzburg statt und wurden von der dortigen Handwerkskammer und Meisterschule organisiert. Sie haben mich auch zu Messen wie der „Dach+Holz“ in Stuttgart und Köln mitgenommen. Aufgrund des großen Zuspruchs auf der letzten Kölner Messe leite ich nun auch einen Workshop in Berlin – eine ganze Woche Anfang nächsten Jahres. Bis zu zehn Menschen können teilnehmen. Vorkenntnisse im Löten und im Umgang mit Blechscheren sind hilfreich, aber kein Muss. Wer noch nie gelötet hat, baut eben ein kleines Vögelchen.

Lea: Wo siehst du Metallorigamer in ein paar Jahren? Hast du Pläne, das Unternehmen auszubauen?
Torsten: Mit mehr Leuten wäre das nichts mehr für mich – das ist ganz klar. Aber ich suche aktiv nach Wegen, wie ich irgendwann wirklich von den Figuren leben kann, ohne meine Preise so weit anheben zu müssen, dass ich gar nichts mehr verkaufe. Vielleicht über Social Media, über mehr Workshops, über andere Kanäle – das ist noch offen. Der Wunsch ist jedenfalls da und solange mir das Handwerk Freude macht, werde ich weiter daran arbeiten, diesen Weg zu finden.

Lea: Vielen Dank für das Interview!

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